Ich habe vor einiger Zeit mal OSX als Betriebsystem ausprobiert (böse, böse, ich weiß
) und war eigentlich ganz angetan davon. Viele nette Konzepte und optisch sowieso. Aber das ist ein anderes Thema… Was mir aufgefallen ist unter OSX, viele kleine Tools und Programme kosten dort Geld, von denen man unter Linux gewohnt sind, dass sie kostenlos zu haben sind. Unter Linux gibt es ja relativ wenig Software die kostenpflichtig ist, von speziellen und individuellen Softwareprojekten mal abgesehen.
Warum ist das so? Verbietet einem die Ideologie, für Linux Software Geld zu verlangen? Warum sollte man für seine Arbeit nicht entlohnt werden? Bei den Spielen die es nativ für Linux gibt, muss man auch Geld auf den Tisch legen. Unter OSX gibt es viele Entwickler, die davon leben Programme für den Mac zu entwickeln und zu verkaufen. Im Linux Bereich arbeiten die Leute alle freiwillig und in ihrer Freizeit daran und bekommen meistens kein Geld dafür.
Ich möchte mich an dieser Stelle auch gar nicht darüber beklagen, das fast alle Software kostenlos zu haben ist, sondern eher die Frage aufwerfen, ob es überhaupt möglich wäre, als Entwickler kostenpflichtige Software für Linux zu entwickeln. Nehmen wir mal als Beispiel unter OSX SubEthaEdit.Ein Editor, mit dem mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten können. Er kostet aktuell 29€. Unter Linux gibt es dafür die alternative, kostenlose Software gobby, die ich hier schonmal vorgestellt habe. Unter anderem wird gobby soweit ich weiß zum Beispiel beim Erstellen des Ubuntu Wochenrückblicks benutzt. Von den Features kommt er noch nicht ganz an SubEthaEdit heran, aber hat die gleiche Grundfunktionalität. Wir nehmen also mal an, es gibt genügend Bedarf und keine kostenlose Alternative. Was würde passieren, hätte der Entwickler diese Software kostenpflichtig herausgeben, evtl. sogar in einer Closed-Source Variante? Würdes es gekauft werden, weil es keine Alternative gibt? Oder würde in sehr kurzer Zeit eine kostenlose Alternative von jemand dritten entwickelt werden?
Als Hintergrund könnte man annehmen, das sich jemand dadurch “ernähren” will oder muss. Vielleicht sogar seine Familie auch noch?
Natürlich müsste man sich auch Gedanken machen über die technische Umsetzung, zum Beispiel ein eigenes Repository für solche Software plus Lizenskeys. (Wobei ich Lizenskeys recht nervig finde, aber mir fällt spontan keine Alternative ein.)
Ich hoffe ich konnte meine Gedanken vernünftig niederschreiben und das Beispiel hat verdeutlich was ich sagen will. Daher also an euch die Frage: Wie steht ihr dazu? Würdet ihr für Software Geld ausgeben?
15 Kommentare zum Artikel
Barabbas
20.3.2009 um 19:49Ich denke, dass es prinzipiell “legitim” ist, für seine Software Geld zu verlangen – alles andere wäre auch aberwitzig. Ich glaube aber tatsächlich, dass im OSS-Bereich eine etwas andere Mentalität vorherrscht. Zwar bezahlt man hier auch durchaus Geld für “gute” Software. Die soll dann aber bitte auch eine bessere Alternative zu bestehenden Lösungen sein. Nehmen wir Wine und Cedega. Wine reicht für die meisten Benutzer völlig aus – ich für meinen Teile brauche es gar nicht. Leute, die Cedega nutzen, kennen Wine und sind damit nicht völlig zufrieden. Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder, man investiert seine Zeit und verbessert die bestehende Lösung – dann hat man selbst was davon und leistet noch einen Beitrag für die Gemeinschaft, oder man kauft sich die bessere Lösung. Davon hat man selbst etwas und noch ein paar Entwickler, die damit ihre Brötchen verdienen.
Nun ist nicht jeder Programmierer und so ist die zweite Lösung oft das Mittel der Wahl. Die OSS-Gemeinschaft, tendiert aber stark zur ersten Lösung und um ehrlich zu sein, finde ich das genial.
Du erwähnst jetzt das jemand nun unter Umständen von dem Verkauf seiner Produkte lebt. Das ist auch gut und schön, uns aber sollte das nicht davon abhalten, freie Software zu nutzen und zu entwickeln. So lange Menschen von kommerzieller Software leben können – und ich sehe nicht, dass das auf absehbare Zeit mal nicht mehr so sein sollte – werden sie es auch tun. Daraus erwächst aber keine moralische oder wie auch immer geartete Verpflichtung, sie dabei zu unterstützen. Eine moralische Verpflichtung ist es da schon eher, sein Wissen zu teilen und zu vermehren.
Die OSS-Gemeinschaft, ist eine Gemeinschaft, die ihr Wissen teilt und verbreitet. Platz für kommerzielle Lösungen ist auch da, besonders im professionellen Bereich. Aber kommerzielle Programme geben oft nichts an die Gemeinschaft zurück und sind deshalb – glaube ich – auch nicht wirklich ein Teil davon.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ich die Freiheiten der FSF sehr ernst nehme. Gerade bei “großer” Software wie Büroprogrammen und Betriebsystemen, möchte ich nicht auf geschlossene Lösungen zurück greifen müssen – auch aus Sicherheitsgründen.
earl
20.3.2009 um 20:08Es ist wohl nicht eine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Freiheit.
Wenn man schon Linux benutzt und zum Beispiel als Programmierer freie Tools wie Compiler etc., wieso sollte man dann ein unfreies Tool annehmen wollen? Bei Spielen ist das was anderes, Spiele verarbeiten keine wichtigen Daten.
Übrigens: Ich hab auf diesem Rechner Ubuntu seit Oktober 07, und das einzige Programm, welches Probleme macht, ist Flash. Und zufälligerweise ist es das einzige proprietäre Programm, das auf diesem Rechner läuft …
Funatiker
20.3.2009 um 20:32Ein Repository für Kommerzsoftware wäre auch ohne Aktivierungsschlüssel kein Problem. Da ein Repository meistens über http funktioniert, könnte man über ein Benutzerkonto und eine http-Authorisierung gewährleisten, dass nur der berechtigte Benutzer ein Paket ausgehänfigt bekommt. Jedoch wäre man da dennoch nicht die Probleme, die ein Lizenzschlüssel-Verfahren mit sich bringt los, denn man könnte noch immer entweder das Nutzername-Passwort-Paar oder gleich den Schlüssel weitergeben – eben genau so, wie es bei Aktivierungsschlüsseln jetzt schon der Fall ist.
glasen
21.3.2009 um 02:06Linux leidet in meinen Augen unter dem Problem das es zu viele gute freie Software gibt. Deshalb hat es ein Anbieter proprietärer Software meistens sehr schwer ein Produkt zu vermarkten, außer dieses Produkt bietet einen deutlichen Mehrwert gegenüber allen anderen freien Lösungen (Sei es bei der Bedienung, Support, usw.).
Gibt es diesen Mehrwert, hat der Entwickler in der Regel auch keine Probleme dieses zu verkaufen. Gibt es diesen nicht, verschwindet der Anbieter auch wieder ganz schnell vom Markt.
Sven
21.3.2009 um 02:27“Als Hintergrund könnte man annehmen, das sich jemand dadurch “ernähren” will oder muss. Vielleicht sogar seine Familie auch noch?”
Wie so muss er denn? Er kann doch auch für andere! Plattformen Software entwickeln, oder eben was anderes machen als in die “Tasten zu hauen”.
Programierer können aber auch an Opensource-Software finanziel profitieren, in dem sie masgeschneiderte Problemlösungen anbieten. – Z.B. auf die speziellen Bedürfnisse eines Unternehmen angepasste Software.
DonnerKarlson
21.3.2009 um 11:52Ein kleines aber feines Buch zum Thema (zum Glück unter GPL veröffentlicht ^^) gibt es unter http://www.kritische-informatik.de/fsrevo.htm .
Rayman2200
21.3.2009 um 12:23Der Denkansatz den du hast, ist echt gut. Habe mir damals auch schon Gedanken gemacht, wie man sich für seine Arbeit entlohnen lassen könnte.
Eine Art der Finanzierung die auf einigen Seiten Gang und Gäbe ist, ist die der Spenden. Man schaue sich Projekte wie Wiki an die von “Donation” leben.
Ich muss gestehen das ich nicht gerade viel spende, aber wenn ich was gutes Entdeckt habe, was mir sehr geholfen hat oder die Idee wirklich gut war, habe ich mich dazu bewegt gefühlt was zu hinterlassen. Es hängt dabei auch noch ab wieviel Geld man gerade über hat
Aber wenn man per PayPal spendet, sind da immer kleine Restbeträge drauf.
Man bekommt sicher nicht das Geld rein, was man für kommerzielle Software bekommen würde, aber ich denke es wird wohl nach dem “Kleinvieh macht auch Mist”-Prinzip laufen. Lieber 10 Spender je 1 € haben als einen der sagen wir mal 8 € spendet.
loki
21.3.2009 um 12:42Ich für meinen Teil, bin gerne bereit für gute Software die ich auch benötige Geld auszugeben. Natürlich nur in dem Rahmen wo es dazu keine kostenlose Alternative gibt. Als Beispiel wäre da Nero zu nennen. Es unterstützt mehr Formate als freie Alternativen und hat ein paar Features an die ich mich zu Windows Zeiten so gewöhnt hatte, dass ich nur ungern darauf verzichtet hätte.
Ich denke es ist wichtiger Schritt für Linux, dass es ebenfalls kostenpflichtige Software gibt. Das gehört zum Erwachsen werden eines OS einfach dazu und ist nötig um bestimmten Branchen die Nutzung von Linux schmackhaft zu machen. Kaum ein professioneller Grafikdesigner verzichtet auf ein natives Photoshop. Und von daher steht dies erstmal der Nutzung von Linux grundsätzlich im weg. Würde es aber Photoshop nativ für Linux geben, wäre Linux eine günstige und auch attraktive Alternative zu MacOSX und Windows. Natürlich muss man Photoshop auch hier kaufen, aber die große Mehrheit der anderen Tools ist kostenlos.
schwalbe93
21.3.2009 um 12:55Also ich finde es akzeptabel, wenn jemand Software verkaufen will. Dagegen habe ich nichts. Aber ich nutze diese Software nicht sehr gerne, wenn sie zudem geschlossen wäre. Ich persönlich bevorzuge Open Source, die ebenfalls kostenlos ist.
Die ganzen Programme, wie GNOME, KDE, GIMP, Open Office und noch mehr dieser Programme sind mir viel lieber als jedes geschlossene Programm. Zwar nutze ich auch geschlossene Software, wie den NIVIDA-Grafiktreiber für 3D-Support, Adobe Flash Player, Java und Skype, mehr Programme fallen mir jetzt auch nicht ein. Auf jeden Fall ist das weniger, als wenn ich Windows verwenden würde, da bereits die mitgelieferten Programme geschlossen sind (wie WordPad, Paint, Movie Maker, Windows selber, Internet Explorer…) und extrem teuer(selbst Windows ist mind. über 100 Euro Wert).
Dagegen ist mein System freier, weil ich nur 4 unfreie Programme verwende, wobei ich die Hälfte davon nicht täglich brauche. Mal ehrlich, kein 3D, dass ist ja langweilig
. Und ohne Flash Player kommt man heute ja nicht mehr aus, da viele Webseiten heute nicht mehr ohne Flash sinnvoll zu besuchen sind.
Ich suche mir meine Software gut aus und bevorzuge natürlich Open Source, wo es nur möglich ist. Leider hat es halt manchmal Grenzen, wie bei Skype. Wenn ich dort mit meinen Klassenkammeraden funken möchte, ist das mit freier Software nicht möglich, da Skype geschützt ist.
Und noch zum Thema “Geld”. Viele Menschen arbeiten ehrenamtlich an den Projekten und für ein ehrenamt gibts i.d.R kein Geld.
Gruß,
schwalbe
Robert Schrenk
21.3.2009 um 13:46Ich denke, dass man das “Geld verdienen mit Software” nicht automatisch mit dem klassischen Geschäftsmodell “Programmierer programmiert, kompiliert und verkauft” gleichsetzen darf.
Es gibt einfach verschiedenste Geschäftsmodelle, um mit OpenSource Geld zu verdienen und trotzdem eine kostenlose Version anzubieten. OpenSource betrifft nämlich eigentlich nicht das Geschäftsmodell, sondern das Software-Entwicklungsmodell.
Ein paar Beispiele:
*) Der Quellcode ist offen, aber man braucht technisches Fachwissen zum Kompilieren, und um eine Software in eine bestehende Infrastruktur zu integrieren. Die Software ist OpenSource, aber ein Unternehmen wird vielleicht lieber die Dienstleistung kaufen, als sich selbst mit dem Einpflegen zu beschäftigen….
*) Neue Unternehmen, die ganz spezifische Kundenbedürfnisse befriedigen, können bestehende Software aufpeppen ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Software ist aufgrund des Many-Eyes-Prinzips besser geprüft und aufgrund des offenen Quellcodes besser prüfbar. Auch das kann für Unternehmen einen Wert haben.
Wer weiß denn schon, was Windows alles nach Redmond schickt?
*) Abgesehen davon freuen sich viele Programmierer auch über das Ansehen, dass sie in der Community erhalten und mit dem Ansehen steigt auch der Marktwert als Entwickler.
Der Grund, warum unter Linux fast alles kostenlos ist liegt in meinen Augen einfach daran, dass die Software aufeinander aufbaut. Es ist daher von der Lizenz her absolut erforderlich das weiterzuführen.
Lg, R.S.
Matthias
21.3.2009 um 16:04Ich glaube es ist ein Märchen, dass Hobby-Entwickler freier Software den Profis die Jobs wegnehmen. Vieles im Linux-Kernel oder auch kleine Komponenten des Desktops stammt von Mitarbeitern großer Firmen, die viel Geld mit Linux verdienen (Rechtsklick -> Info im Netzwerk-Manager). Wer möchte kann auch Entwickler anheuern und Software-Wünsche erfüllen lassen: auch zusammen mit anderen bei http://cofundos.org/ Große Firmen kaufen meist Komplettpakete mit freier Software + Dienstleistung (Wartung, Verbesserung, neue Programme für den Unternehmenseinsatz, Integration). Freie Software = kostenlos ist ein Trugschluss. “Frei wie in Freiheit, nicht frei wie in Freibier!”
Firus
22.3.2009 um 01:43Ich bin generell schon bereit für Software auch Geld zu bezahlen.
Allerdings sollte es auch Software sein, die mir wirklich weiterhilft. Dann möchte ich jedoch nicht nur einfach eine Lizens haben, sondern Support und zwar echten Support.
Habe auch schon mehrfach daran gedacht für Softwareprojekte einen kleinen Obulus zu spenden. Aber leider nutze ich kein Paypal oder ähnliches, so dass das oft nicht so einfach möglich ist. Zudem kommt das Problem, dass ich nicht weis, wem ich zuerst spenden sollte (Ubuntu, Inkscape, OOo, Mozilla………………)
Also, für gute Software mit gutem (!) Support eigentlich sehr gerne.
Andreas Steinel
22.3.2009 um 01:52Mein Kommentar bezieht sich eher auf den ersten Teil des Postings:
Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich unter MacOS die Vielfalt beider Welten (OSS und prop.) genießen kann. Ich verwende macports und bisher konnte ich jedes Programm, das ich von Linux/FreeBSD her kannte, direkt weiter nutzen.
Aber es ist schon etwas ganz anderes die Software – falls nicht in macports vorhanden – manuell zu compilieren und zum laufen zu bringen als direkt die (meist kommerzielle) Applikation für den Mac zu kaufen. Jeder der schonmal an einem Mac gearbeitet hat muss zugeben, dass es nicht einfacher sein kann ein Programm zu installieren :-p
Chris Jung
24.3.2009 um 20:40Ich gebe für Software oder ihre Nutzung Geld aus. Im Endeffekt ist es egal, ob ich ein Programm oder eine Webseite benutze (XING, …), der Gedanke dahinter ist die Entlohnung der Menschen, die etwas geschaffen haben. Die Möglichkeiten der Entlohnung sind dabei vielfältig. Die Firma Newthinking Communications entwickelt Software und stellt sie unter die GPL. Damit hat der Kunde die Freiheit, mit der Software zu machen, was er möchte und die Firma NC auch.
Andreas Gohr entwickelt das DokuWiki. Seine Idee ist die folgende: http://www.splitbrain.org/blog/2009-03/08-dokuwiki_sync_plugin_for_sale
Die Möglichkeiten sind da ebenso vielfältig wie freie Software.
M.
12.5.2009 um 02:10Wenn man Linux zu einer Plattform für Jamba-Ratten machen möchte, dann ist die Idee bestimmt gut. In Synaptic könnten kleine Werbe-Popup’s aufgehen, die sagen: “Hol dir jetzt für 2,99 € den Nike-Bootsplash und die Nike-Icons, damit du dein System auch optisch an deine 150 € Sneaker anpassen kannst. Achtung: Die Weitergabe der Nike-Icons ist verboten, auch wenn du ein freies OS betreibst.” Prima.