Ich bin zu meinem Leidwesen oft recht vergesslich, deswegen sind ein Kalender und eine Todoliste Pflicht für mich. Große Anforderungen habe ich (eigentlich) nicht: Ich möchte eine Übersicht haben, was heute zu erledigen ist, was die nächsten Tage anfällt und ich möchte es in der Cloud speichern, damit ich vom Laptop ebenso drauf zugreifen kann, wie vom iPhone. Und da beginnt das Problem. Eine Todoliste macht für mich halt nur Sinn, wenn ich sie, in diesem Falle in Form des iPhones, immer bei mir habe bzw. von überall aus benutzen kann.
Auf iPhoneseite gibt es unzählige Aufgabenverwaltungen, von komplexen Getting-Things-Done (GTD) Anwendungen wie Things oder OmniFocus hin zu ganz einfachen Checklisten. Schaut man sich nun an, welche Programme davon in die Cloud syncen, lichtet sich der Wald schon ein wenig. Sucht man nun noch ein Programm unter Linux, welches sich mit einem Cloudservice synchronisieren kann und betrachtet die Schnittmenge, bleibt genau ein Anbieter über: Remember The Milk (RTM).
Remember The Milk
RTM ist kein Getting-Things-Done-Tool, sondern eher eine erweiterte Aufgabenverwaltung. Prinzipiell ist es erstmal ein Webservice. Es werden Tags und Listen unterstützt, man kann Fälligkeitstermine, auch sich wiederholende, festlegen und sich über diverse Wege daran erinnern lassen, Zeitschätzungen zur Dauer der Aufgabenerledigung angeben. und Notizen zu den Aufgaben hinterlegen. Die Standardansicht im Webfrontend zeigt einem an, was man heute zu tun hat, bzw. welche Aufgaben bereits überfällig sind. So stelle ich mir das vor: Eine Aufgabe eintragen, den Kopf frei machen für was anderes und im richtigen Moment daran erinnert werden. Ausserdem gibt es eine API, so dass man auch mit Clientprogrammen seine Aufgaben verwalten kann, was uns zum nächsten Punkt bringt.
Tasque
Auf Linuxseite benutze ich das Programm Tasque. Super einfache Bedienung und es synchronisiert sich sehr gut mit RTM. Listen werden unterstützt, Tags allerdings nicht. (Für mich irrelevant).
Tasque besticht durch seine Schlicht- und Einfachheit. Es ist in einer aktuellen Version in den Paketquellen von Ubuntu enthalten und kann dementsprechend einfach installiert werden.
Seit Version 0.2 unterstützt nun auch Getting Things Gnome (GTG) den Sync mit RTM über ein Plugin des neuen Pluginsystems. GTG ist allerdings irgendwie nicht mein Fall, aber das ist wohl Geschmackssache. Ausserdem kann es sein vollen Funktionsumfang in Verbindung mit RTM leider auch nicht ausspielen. Projekte und Unterprojekte als Beispiel sind nicht möglich, da dies seitens RTM nicht unterstützt wird.
Unterwegs
RTM versteht sich auf der mobilen Seite mit allen großen System, vom iPhone, über Android und Symbian bis hin zu Windows Mobile, für die es jeweils eine native App direkt von RTM gibt. Allerdings wären wir damit auch schon beim Knackpunkt der Geschichte. Der Mobilesync erfordert eine RTM Pro-Mitgliedschaft, welche 25$ pro Jahr kostet. Ich habe einen guten Wechselkurs erwischt und habe umgerechnet 16€ bezahlt. Die Pro-Mitgliedschaft kann, inklusive der Anwendung auf dem mobilen Gerät für 14 Tage lang kostenlos getestet werden.
Die Anwendung auf dem iPhone ist allererste Sahne, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf. Da sie direkt von RTM ist, werden selbstverständlich alle Funktionen hervorragend unterstützt. Die RTM-App ist also ein Pflichtdownload für das mobile Gerät, um einiges voraus vor allen anderen Apps, die unterwegs ebenfalls RTM-Sync versprechen.
Die iPhone App bedient sich des Apple Push-Notification-Dienstes, um die Anzahl der heute zu erledigenden Aufgaben in einer kleinen Badge auf dem Icon anzuzeigen und um einen zur selbst festgelegten Zeit an die Aufgaben per PopUp und Kuhglockensound zu erinnern.
Fazit
Ich bin hoch zufrieden und bereue keinen Tag die Pro-Mitgliedschaft erworben zu haben. RTM nimmt mir einiges an Arbeit ab und ich kann mich auf die wichtigen Sachen konzentrieren ohne irgendwas zu vergessen – man läuft nicht mehr so vergesslich und verplant durchs Leben. Die Synchronisation von Linux, über den Webservice bis zum iPhone klappt ohne Probleme. Und die kleine Badge auf dem iPhone, immer sichtbar im Dock, erzeugt ein so ungeheuer schlechtes Gewissen, wen man mal etwas aufgeschoben hat….
14 Kommentare zum Artikel
sokai
18.1.2010 um 00:17Danke für diesen guten Artikel!
Eine Frage hätte ich jedoch (noch): Gibt es einen RTM-Server, den man selber betreiben kann? (So ablegen von meinen privaten Daten auf dem RTM-Server is irgendwie d-o-o-f…) *merci*
Yoschi
18.1.2010 um 07:41Einen eigenen RTM Server kann man leider nicht betreiben.
MB
18.1.2010 um 09:15Vielen, vielen Dank für diesen Artikel zu einem Thema, das mich schon lange rumtreibt. Mal ‘ne Frage von jemandem, der mit dem Cloud-Computing gerade erst anfängt: Wie funktioniert denn diese RTM-Lösung, wenn Du mal längere Zeit keinen Netzzugang hast? Kannst Du ohne ständige “Connection Error”-Meldungen Deine Aufgabenliste auf jeweils einem Gerät pflegen?
@sokai: Mit etwas Bastlerei lässt sich Dropbox (oder UbuntuOne) für solche Aufgaben nutzen. Die meisten Linux-Apps können Ihre Datenverzeichnisse – auch verschlüsselt – in einem Dropbox-Verzeichnis haben. Du kannst z.B. das Datenverzeichnis eines Todo-Managers per symbolischer Verlinkung auf Dropbox weiterleiten. Das wäre ein Anfang, wenn Du nicht gerade mit einer bestimmten inkompatiblen Iphone-App syncen willst.
Jan
18.1.2010 um 09:20@MB
Das mit dem offline Betrieb musste ich gerade erstmal ausprobieren. Also: Tasque arbeitet ausschließlich online, das bedeutet, dass man die Aufgaben auch nicht sieht, wenn man offline ist.
Getting Things Gnome hingegen hat einen lokalen Speicher und gleicht diesen mit RTM ab. (Allerdings nicht automatisch, sondern nur manuell wie ich das sehe…)
Die RTM iPhone App hingegen arbeitet offline genauso wie online. Neue Sachen werden zwischengespeichert, und dann beim nächsten mal automatisch gesynct. Man bekommt davon überhaupt nichts mit, so soll es sein!
MB
18.1.2010 um 11:08Danke für die Auskunft! Eine Taskliste, die offline den Dienst verweigert, finde ich bei allen sonstigen Cloud-Vorteilen unbrauchbar. Höchste Zeit, dass ich mir mal selber GTG anschaue, nachdem auch schon andernorts die Hohelieder erklangen:
http://www.omgubuntu.co.uk/2009/12/getting-things-gnome-gets-rtm-sync.html
http://www.omgubuntu.co.uk/2009/12/task-applications-google-linux.html
Um an ein anderes Thema anzuknüpfen: Traumhaft wäre (zumindest für diejenigen, denen ganz einfache Listen genügen), wenn Evolution zuverlässig mit Google Tasks synchronisieren würde. Dazu GeeTasks auf dem Iphone – fertig ist die Lösung ohne 25$ p.A.
Oder: ToodleDo-Plugin in GTG… https://blueprints.launchpad.net/gtg/+spec/toodledo-sync
Maxe
18.1.2010 um 11:26“Cloud” … -.-
Stefan Gebel
18.1.2010 um 11:28Ich nutze den Standartkalender in Verbindung mit nuevasync. com (kostenlos) und meinem Googleaccount um Termine und soweiter abzugleichen.
Jan
18.1.2010 um 11:32@MB
Joa.. der Fall, dass ich offline bin, kommt irgendwie relativ selten bis nie vor und selbst wenn, dann habe ich immer noch mein iPhone ständig dabei
Wie gesagt, GTG ist sicherlich keine schlechte Anwendung, sie sagt mir persönlich nur einfach nicht zu.
Ein großer Vorteil von RTM zu anderen (gTasks etc.) Lösungen ist für iPhone Benutzer halt der Push-Service.
Toodledo wäre natürlich nett, da kostenlos. (Wobei ich 16€ durchaus einen mehr als fairen Preis finde, für den Service, die App und den Mehr-/Nutzwert den ich von RTM geboten bekomme) Meines Wissens nach, wird da bei Tasque auch dran gearbeitet. (jedenafalls meine ich das mal gelesen zu haben). Auf iPhone Seite gibt es da ebenfalls sehr gute Anwendungen die mit Toodledo Syncen, zu Empfehlen sei hier “ToDo”
btw. dein Kommentar war im Spamverdachtordner, wegen der vielen Links, also nicht im Datennirvana. Ich habe den ursprünglichen Post freigeschaltet.
@Maxe
“sinnloser Kommentar” … -.-
Someone
18.1.2010 um 16:25Maxe hat vollkommen Recht. Nur weil es online ist, heißt es nicht, dass es direkt in einer “Cloud” gespeichert ist. Wiedermal ein viel zu gehypter Begriff. Für dieses RTM-Zeugs braucht man vllt 5 Server um tausende von Leuten zu bedienen. “Cloud” ist anders.
Jan
18.1.2010 um 16:41@Someone
Ich denke Maxe hat es in einem anderen Kontext gemeint. Ich glaube es ging ihm um Sicherheit und Datenschutz und das man so etwas ja nicht jemandem Fremdes in der Wolke anvertraut. Aber diese Diskussion ist einfach mühselig, daher das “sinnloser Kommentar” Solange ich meine Daten dort freiwillig speichere und einen sehr guten Mehrwert genieße, ist es für mich vertretbar.
Zum Thema “Cloud”: Es ist wohl Definitionssache. Ich meinte damit, dass es im Internet gespeichert wird, ohne das ich mich drum kümmern muss. Und ich habe von überall aus Zugriff über das Webinterface. Vielleicht wäre, auch wenn es übersetzt der selbe Begriff ist, hier das Wort Wolke eher angebracht.Wolke ist für mich ein Synonym für Internet. Muss man ja nicht so sehen.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass RTM wesentlich mehr als “nur” ein paar tausend Kunden hat und dass sie dafür auch wesentlich mehr als 5 Server brauchen
Nachtrag: Habe gerade mal Nachgeschaut, laut eigenen Angaben haben sie 1,75 Millionen Benutzer aktuell. (http://www.rememberthemilk.com/about/)
Someone
18.1.2010 um 17:23@Jan:
Das ist bestimmt wie bei World of Warcraft. 11,5 Mitglieder, von denen vielleicht 20% wirklich spielen.
Ich hatte RTM auch mal genutzt, aber so einen wirklichen Unterschied zu den “Kontact”-Aufgaben konnte ich nicht ausmachen. Außer vielleicht, dass ich die aus Kontact auch auf meinem Handy habe ohne eine spezielle Applikation zu installieren.
Jan
18.1.2010 um 17:30@someone
Mit der Benutzerzahl, dass mag natürlich sein, zumal das ja auch nur eine Eigenangabe ist… Wobei der Vergleich mit WoW etwas unglücklich ist, da ich mir nicht vorstellen kann, das 80% der Leute die angeblich nicht spielen, monatlich den Beitrag errichten.
Ein großer Unterschied zwischen RTM und Kontact ist die Art der Synchronisation. Wenn ich auf dem iPhone eine Aufgabe eintrage, dann ist sie auch sofort auf dem Laptop, wenn ich ihn das nächste mal anmache und, sollte ich tatsächlich mal weder iPhone noch Laptop bei mir haben, es ist zusätzlich im Internet über ein Webinterface abrufbar.
Bei deiner Lösung, musst du die beiden Geräte erst einmal manuell synchronisieren. Das ist vermutlich Geschmacksache, aber ich finde den automatischen Sync um längen angenehmer. Außerdem kein Webzugriff, aber auch das ist Geschmacksache.
Aber aus genau diesen Synchronisationsgründen favorisiere ich sehr stark Dienste in der Wolke.
Someone
18.1.2010 um 18:32Der vergleich mit WoW ist vollkommen korrekt, denn Spieler werden bei WoW prinzipiell nicht gelöscht, da die Spieler teilweise einige Wochen bzw Monate aussetzen und danach wieder spielen wollen. Das Aufbewahren kostet Blizzard sehr sehr wenig, bringt aber viel für das Image, dass man einfach ein paar Monate pausieren kann ohne dass alles verloren geht. Ausgenommen natürlich diejenigen, die ihren Account aktiv löschen.
Das mit dem Synchronisieren stimmt schon, aber dank Bluetooth gibt es eh keine Kabel mehr und wenn ich gleichzeitig am PC und am Laptop arbeite, sind die so nache beieinander, dass Synchronisieren kein Problem ist.
Ist Geschmackssache. Ich vertraue für diesen minimalen Komfort meine Daten keinem externen Anbieter an.
serenity
18.1.2010 um 21:00Bei KDE SC wird ein Miniprogramm mitgeliefert, das RTM direkt auf dem Desktop einbindet.
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